fünf festlich gekleidete Personen stehen an einem Stehtisch mit einer weißen Husse
Eva Reichert und Markus Haselbauer, Geschäftsführer der Teilhabe Wetterau, begrüßten zur Jubiläumsfeier die Vorsitzende des Teilhabe Wetterau e.V., Lena Herget, und ihre Vorgänger Gerd Wagner sowie den Vorsitzenden des Aufsichtsrates Bardo Bayer.

50-jähriges Jubiläum: Von der Kellerwerkstatt zum modernen Sozialdienstleister

50 Jahre, unzählige Geschichten und ein Tag voller Begegnungen: Mit einem Tag der offenen Tür hat die Teilhabe Wetterau ihr Jubiläum in Nidda gefeiert. Zahlreiche Besucher nutzten die Gelegenheit, hinter die Kulissen des Sozialdienstleisters zu schauen und zu erleben, was das Unternehmen seit einem halben Jahrhundert bewegt und wie vielfältig gelebte Inklusion heute aussieht.

Erinnerungen an die "alte Post"

„Unser Leitspruch ist: `Jeder Mensch hat das Recht, ein selbstbestimmtes Leben zu führen´. Deshalb war es uns wichtig, dass auch unsere Gäste am Tag der offenen Tür selbst bestimmen können, wie viel sie über die Teilhabe Wetterau erfahren und was sie bei uns erleben“, so die Geschäftsführerin Eva Reichert. Die Besucher konnten das Gebäude entweder selbstständig erkunden und durch einen Audioguide viel über die Teilhabe Wetterau erfahren. Oder sie wurden durch die Räumlichkeiten geführt und teilten ihre Erinnerungen an die „alte Post“, die vor vielen Jahren in der Schillerstraße 29 untergebracht war. Von den Schaltern, Schließfächern und der Pakethalle, die früher im Erdgeschoss des Gebäudes waren, ist heute nichts mehr zu sehen. Aber der Fußboden um Eingangsbereich und in den Treppenhäusern ist erhalten geblieben, wie einige Besucher sich erinnerten konnten. „Hier war früher mein Schlafzimmer“, erzählte ein Besucher im Büro der Geschäftsführerin stehend und erklärte, dass im zweiten Stock früher zwei Wohnungen waren, von denen er eine mit seiner Frau bewohnt hatte.

Start ins Berufsleben: Bildungshaus im Erdgeschoss

Die Teilhabe Wetterau hatte die „alte Post“ 2023 gekauft und im Frühjahr 2025 bezogen. Hier sind das Bildungshaus und die Verwaltung des Unternehmens verortet. Im Bildungshaus im Erdgeschoss beginnen Menschen mit Unterstützungsbedarf nach der Schule ihren individuellen Berufsweg. Zusammen mit den Bildungsbegleitern finden sie heraus, welche Stärken und Ziele sie haben. Sie lernen unterschiedliche Arbeitsangebote kennen und machen Praktika in den Werkstätten der Teilhabe Wetterau oder in externen Unternehmen. Gleichzeitig werden sie in ihrer persönlichen Entwicklung gefördert, ihre beruflichen und lebenspraktischen Fähigkeiten entwickelt und mit einem modularen Kursangebot auf geeignete Tätigkeiten vorbereitet. Die Teilhabe Wetterau arbeitet dabei eng mit den Beruflichen Schulen am Gradierwerk (BSG) in Bad Nauheim und den Beruflichen Schulen Oberhessen (BSO) in Nidda und Büdingen zusammen. Lehrer von beiden Schulen zeigten am Tag der offenen Tür aktuelle Projekte: Die Lehrerinnen der BSG befassten sich mit den Teilnehmern des Kurses „Ich kann selbst“ mit dem Thema Mülltrennung und bereiteten für die Gäste alkoholfreie Cocktails zu, während die Teilnehmer der Teilqualifizierung zum Holverarbeitungshelfer mit ihrem Lehrer von der BSO ein barrierearmes Hochbeet vorstellten, an das auch Rollstuhlfahrer problemlos heranfahren können.

Beratung und Karriere

Die Verwaltung ist das interne Dienstleistungszentrum des Unternehmens mit Personalabteilung, Buchhaltung und Abrechnung. Auch die Geschäftsführung, die Stabsstellen und die Bereichsleitungen haben ihre Büros im Gebäude. Außerdem ist hier eine Beratungsstelle für Inklusion und Teilhabe untergebracht, die ihr niedrigschwelliges Beratungsangebot vorgestellt hat. Dabei geht es um Frühförderung, Rehabilitation, Schwerbehinderung, aber auch Hilfsmittel und Mobilität, Möglichkeiten der Unterstützung im Alltag oder Entlastungs- und Betreuungsleistungen der Pflegeversicherung. Die Berater unterstützen sogar dabei, den richtigen Antrag beim passenden Amt zu stellen.

Auch das Team der Personalentwicklung stellte sich beim Tag der offenen Tür vor und informierte über Ausbildungsmöglichkeiten, Berufs- und Karrierechancen bei der Teilhabe Wetterau.

50 Jahre: Der Mensch im Mittelpunkt

Die Entwicklung des Unternehmens von einer Werkstatt in einer Kellerwohnung in Friedberg in den 70er Jahren hin zu einem modernen Sozialdienstleister mit 15 Standorten im Wetteraukreis und rund 420 Tarifangestellten konnten die Besucher auf farbenfrohen Postern nachvollziehen. Aber nicht nur die Unternehmenschronik, sondern auch spannende und unterhaltsame Fakten aus den vergangenen 50 Jahren wurden dort präsentiert und sorgten bei den Besuchern für das ein oder andere Ah und Oh.

Die Chronik stand auch im Fokus der Jubiläumsfeier am Abend. Rund 70 Gäste waren beteiligt an einer interaktiven Ansprache der beiden Geschäftsführer, Eva Reichert und Markus Haselbauer, die abwechselnd die wichtigsten Entwicklungsschritte der Eingliederungshilfe allgemein und der Teilhabe Wetterau im Besonderen darstellten und auch persönliche Anekdoten teilten. Gleiches machte Landrat Jan Weckler in seinem Grußwort. Er sprach von persönlichen Begegnungen sowie guten Kooperationen des Wetteraukreises mit der Teilhabe Wetterau. „Die Teilhabe Wetterau ist aus der Region gar nicht wegzudenken ist, sondern erbringt eine ganz wertvolle Leistung für Menschen mit Beeinträchtigung“, betonte Weckler. Der Aufsichtsratsvorsitzende Bardo Bayer teilte Erinnerungen und die Vorsitzende des Teilhabe Wetterau e.V., Lena Herget, ging auf den Leitspruch des Unternehmens ein und merkte an, dass Teilhabe kein Spezialthema sei, sondern ein Menschenthema. Denn jeder möchte ernst genommen werden, dazugehören und seine eigenen Entscheidungen treffen. Sie sagte: „Ich wünsche der Teilhabe Wetterau, dass sie auch in den kommenden Jahrzehnten ein Ort bleibt, an dem Menschen gesehen werden. An dem jeder Mensch dazugehört. Und ein Ort, an dem aus Respekt, Vertrauen und Menschlichkeit echte Teilhabe wächst.“

Vier Männer sitzen draußen an einem Holztisch und essen Eis
Alle Besucher vom Tag der offenen Tür konnten am Ende der Tour vor der Zentrale ein Eis genießen.
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